Es gibt Momente im Kirchenjahr, die brennen sich tief in das Gedächtnis einer Gemeinde ein. Wer am vergangenen Samstag den Weg in unsere St. Ludgerus Kirche fand, durfte genau so einen Abend erleben. Unter dem tiefgründigen Titel „Amazing Grace“ lud der Künstler Freddy the Piper zu einer musikalischen Andacht, das weit mehr war als nur eine musikalische Darbietung. Es war eine emotionale Reise durch Zeit, Klang und Seele.

Konzertgänger sind es gewohnt, dass der Künstler die Bühne betritt und applaudiert wird. Nicht so an diesem Abend. Die Andacht begann mit einem absoluten Überraschungsmoment. Urplötzlich ertönten die majestätischen, kraftvollen Klänge eines Dudelsacks im hinteren Teil des Kirchenschiffs. Freddy zog von hinten langsam durch den Mittelgang ein. Die mächtige Akustik unserer St. Ludgerus Kirche fing den Sound perfekt ein, und man konnte förmlich spüren, wie ein kollektiver Gänsehaut-Schauer durch die voll besetzten Bankreihen ging.

Eingebettet in einen kleinen liturgischen Rahmen, präsentierte Freddy typisch schottische Stücke auf unterschiedlichsten Pipes. Doch er bewies schnell, dass er nicht nur sein Instrument meisterhaft beherrscht, sondern auch ein begnadeter Erzähler ist. Zu jeder Pfeife, zu jeder Melodie wusste er Spannendes und Wissenswertes zu berichten.

Man musste kein Experte der Dudelsack-Szene sein, um von seinen Worten gefesselt zu werden. Er nahm uns an die Hand und führte uns auf eine Reise durch die europäische Geschichte und durch seine ganz persönliche Biografie. Manchmal persönlich und nahbar, manchmal erstaunlich und voller überraschender Fakten, manchmal auch bedrückend, aber immer absolut staunens- und hörenswert.

Ein absolutes Highlight des Abends war der Einsatz einer speziellen Handpan. Normalerweise sind diese Instrumente mit Dellen und Beulen versehen, die unterschiedliche Klänge erzeugen. Seine „Handpan“ hatte Metallzungen in unterschiedlicher Große, die sich fast wie eine Harfe anhörten. Im Zusammenspiel mit dem weiten Hall des Kirchenraums entfaltete dieses Instrument einen ganz besonderen, meditativen Klang. Es war ein faszinierender Kontrast, der sich völlig vom lauten, durchdringenden Sound der Pipes unterschied. Ein Moment des Innehaltens, der von den Zuhörern als ungemein wohltuend empfunden wurde.

Nach einem intensiven und abwechslungsreichen zweistündigen Programm dachte Freddy der Piper gar nicht daran, leise Servus zu sagen. Zum großen Finale gab er noch einmal richtig Gas, mobilisierte alle Energien und brachte die Kirche emotional zum Beben.
Die Begeisterung hielt im wahrsten Sinne des Wortes niemanden mehr auf den Bänken. Mit lang anhaltenden Standing Ovations bedankte sich das Auricher Publikum für diesen außergewöhnlichen Abend. Ein Event, das sicher noch lange in den Herzen unserer Gemeinde nachklingen wird. Vielen Dank, Freddy!
Text: Markus Husen
Fotos: Freddy the Piper und Markus Husen