Sonntagsgruß von Markus

Lieber Leser, liebe Leserin,

hast du dich eigentlich schon einmal so richtig schön ungerecht behandelt gefühlt? Stell dir vor, du bist Gärtner und schuftest den ganzen Tag bei glühender Hitze, schneidest Hecken, jätest Unkraut und trägst schwere Steine. Und kurz vor Feierabend kommt dein Kollege vorbei, gießt entspannt zwei Blumenkübel und bekommt vom Chef am Ende exakt denselben Lohn ausbezahlt wie du. Unfair? Absolute Frechheit! So würde zumindest jeder Gewerkschaftsvertreter spontan Schnappatmung bekommen.

Genau diese Szene beschreibt Jesus im Evangelium für diesen Sonntag im Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg. Da schuftet eine Gruppe von morgens an, während andere erst kurz vor Feierabend dazustoßen – und am Ende kriegen alle den gleichen Denar. Gott wirtschaftet eben nicht nach unseren irdischen Leistungs- und Bonus-Systemen. Seine Logik heißt nicht „Wie du mir, so ich dir“, sondern schlicht und ergreifend Vergebung und Liebe ohne Limit. Bei Gott gibt es keine Stempelkarte, und sein Segen ist glücklicherweise kein Bonussystem, bei dem man erst tausend Treuepunkte sammeln muss.

Dass diese gottgegebene Großzügigkeit manchmal etwas kindlich-unbekümmert wirkt, passt perfekt zu diesem Sonntag: Wir feiern nämlich gleichzeitig den Weltkindertag. An diesem Tag stehen bundesweit die Rechte, Bedürfnisse und die Stimme von Kindern im Mittelpunkt – ein wichtiger Reminder daran, dass jedes Kind wertvoll ist, ganz ohne etwas dafür „leisten“ zu müssen.

Und wenn wir mal ehrlich sind, haben Kinder dieses göttliche Prinzip sowieso schon lange vor uns Erwachsenen durchschaut.

Bau mal mit zwei Geschwisterkindern eine Legoburg. Selbst wenn beide exakt die gleiche Kiste mit Steinen bekommen, geht nach drei Minuten das feilschen los: „Warum hat er das rote Dachteil und ich nur das blaue?“ Aber Kinder können vor allem eines: völlig im Moment leben und vergeben, ohne vorher eine Kosten-Nutzen-Rechnung aufzustellen. Sie hinterfragen nicht krampfhaft, ob der Spielkamerad sich seine Burg auch „hart erarbeitet“ hat. Sie spielen einfach drauf los.

Vielleicht ist das die Einladung für dieses Wochenende: Vergiss für ein paar Stunden die digitale Stechuhr im Kopf, mit der wir sonst unser Leben und das unserer Mitmenschen bewerten. Lass dich von Gottes feierabendlicher Großzügigkeit überraschen – und nimm dir ein Beispiel an den Kindern, die das Leben einfach nehmen, wie es kommt. Mit einer kräftigen Portion Gelassenheit, viel Neugier und gerne auch mal einem etwas schiefen Legoturm.

Ein gesegnetes, entspanntes und sonniges Wochenende wünscht dir Markus!