Uns ist der Mensch wichtig

Moin,

an diesem Wochenende hören wir im Evangelium Worte, die auf den ersten Blick hart klingen:
Jesus kündigt seinen Leidensweg an. Petrus will ihn davon abhalten – und Jesus antwortet:
„Du denkst nicht wie Gott, sondern wie die Menschen“.
Dann sagt er zu allen:
„Wer mein Nachfolger sein will, verleugne sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach.
Denn wer sein Leben retten will, wird es verlieren; wer aber sein Leben um meinetwillen verliert, wird es gewinnen“.

Puuh, was kann das für uns heute heißen?

Jesus zeigt: Nachfolge bedeutet, nicht nur bei sich zu bleiben, bei der eigenen Sicherheit oder beim eigenen Bild von Erfolg stehen zu bleiben.
Es geht darum, den Blick zu weiten – zu Gott und zu den Menschen. Menschen, die am Rand stehen, die verletzt, ausgegrenzt oder nicht gesehen werden.
Das „Kreuz“, von dem Jesus spricht, ist kein Selbstzweck, sondern Ausdruck einer Liebe, die bereit ist, etwas zu riskieren: Zeit, raus aus der Komfortzone, vielleicht auch den eigenen guten Ruf.

An diesem Wochenende ist/war in Aurich der CSD – der Christopher Street Day.
Menschen, die lesbisch, schwul, bi, trans, inter oder queer leben (ohne Gewähr auf Vollständigkeit), gehen auf die Straße, um sichtbar zu sein:
ür ihre Würde, für ihren Platz in der Gesellschaft, für ein Leben ohne Angst vor Diskriminierung, Ausgrenzung und Gewalt.

An unserer Kirche in Aurich haben wir wieder die Regenbogenfahne hängen.
Auch die Malteser haben diese Fahne aufgehängt.
Damit setzen wir ein Zeichen:
Wir stehen für Offenheit und Toleranz.
Wir bieten einen Safe Space für Menschen, die diskriminiert werden.
Uns sind Menschen wichtig, so wie sie sind! Mensch ist Mensch.

Das ist kein Mainstream, sondern eine Konsequenz aus dem Evangelium.
Weihbischof Ludger Schepers aus dem Bistum Essen, der Beauftragte der Deutschen Bischofskonferenz für die queere Pastoral, hat gesagt: „Unsere Gemeinden müssen Orte sein, an denen jede Person willkommen ist und die unverlierbare Würde erfährt, die Gott ihr geschenkt hat. Niemand darf jemals fürchten müssen, wegen der eigenen sexuellen Orientierung oder geschlechtlichen Identität auf Vorurteile, Misstrauen oder Ablehnung zu stoßen.“

Und was hat das mit dem Evangelium zu tun?

Wenn Jesus sagt: „Wer sein Leben um meinetwillen verliert, wird es gewinnen“, dann lädt er uns ein, über unseren eigenen Schatten zu springen.
Manchmal heißt das: alte Vorurteile abzulegen.
Manchmal heißt es auch: hinzusehen, wo andere wegschauen.
Und manchmal heißt es: auch dann nahe zu sein, wenn andere distanzieren – weil es gerade dann um die Würde eines Menschen geht.

Die Regenbogenfahne an unserer Kirche ist kein politisches Banner im engen Sinn, sondern ein seelsorgliches Zeichen:
Hier bist du willkommen.
Hier darfst du sein, wer du bist.
Hier wird deine Würde nicht verhandelt.
Gott sieht dich – und wir wollen das sichtbar machen.

Denn Jesus sagt nicht: „Macht alles perfekt.“
Er sagt: „Folgt mir nach.“
Schritt für Schritt.
Mensch für Mensch.

Gott segne alle, die beim CSD in Aurich auf die Straße gehen,
alle, die an unserer Kirche vorbeikommen und die Regenbogenfahne sehen,
und alle, die sich fragen, ob sie in einer Kirche wirklich willkommen sind.
Ja – ihr seid es.
Uns ist der Mensch wichtig.

Und vielen lieben Dank an Markus und Markus, die ihr für Gespräche zur Verfügung gestanden habt.

Ihnen und euch allen einen gesegneten Sonntag.

Dennis