Halloween? Ich glaube, ich werde alt.

Ich glaube, ich werde alt.

47 Jahre bin ich jetzt. Eigentlich noch kein Grund, sich ernsthafte Sorgen zu machen. Aber am Freitag hatte ich kurz das Gefühl, dass ich vielleicht doch langsam den Anschluss an die jüngere Generation verliere.

Wir hatten ein Treffen mit unseren Firmkatecheten. Alles junge Leute. Und irgendwann kamen wir auf Halloween zu sprechen.

Und ich habe ziemlich deutlich gesagt: Ich mag Halloween nicht.

Niemand hat sich darüber beschwert. Niemand hat mich schief angeschaut. Und trotzdem hatte ich plötzlich das Gefühl, mich irgendwie erklären zu müssen.

So nach dem Motto: Da sitzt er nun, der alte Mann. Halloween ist wohl einfach zu cool für ihn.

Und ganz ehrlich: Das hat mich selbst ein bisschen überrascht.

Denn normalerweise bin ich ja jemand, der neuen Dingen ziemlich aufgeschlossen gegenübersteht. Oft sogar mit einer fast kindlichen Begeisterung. Ich probiere gerne Neues aus, lasse mich auf ungewöhnliche Ideen ein und finde es spannend, wenn sich Traditionen verändern.

Aber Halloween? Irgendwie nicht.

Und das Verrückte ist: Ich weiß nicht einmal so genau, warum.

Halloween ist bei uns in Deutschland ja noch ein ziemlich junges Phänomen. Anfang der 1990er-Jahre tauchte es hier langsam auf, und erst ab etwa 2000 wurde es wirklich verbreitet.

Als ich Kind war, gab es das jedenfalls noch nicht. Keine geschnitzten Kürbisse vor den Haustüren, keine verkleideten Kinder, die „Süßes oder Saures“ riefen.

Vielleicht liegt es also doch an meinem Alter? Dass Halloween einfach nicht zu meiner Kindheit gehört?

Aber eigentlich wäre das eine ziemlich schlechte Ausrede. Schließlich muss ich ja nicht mit etwas aufgewachsen sein, um es gut zu finden.

Vielleicht liegt es eher an der Kommerzialisierung. An den Bergen von Plastikspinnen, künstlichen Spinnweben und gruseligen Masken, die uns schon Wochen vorher in den Geschäften begegnen.

Vielleicht stört mich auch, dass vermutlich viele Menschen, die Halloween feiern, gar nicht wissen, was eigentlich dahintersteckt.

Dabei müsste ich mich doch eigentlich freuen!

Schließlich hat Halloween auch christliche Wurzeln. Der Name kommt von „All Hallows’ Eve“, dem Abend vor Allerheiligen. Also genau dem Fest, das wir an diesem Sonntag feiern.

Eigentlich doch wunderbar, wenn ein Fest mit christlichen Wurzeln so viel Aufmerksamkeit bekommt.

Und trotzdem kann ich mich nicht damit anfreunden.

Vielleicht werde ich wirklich alt. Oder vielleicht stört mich einfach, dass wir manchmal mit Begeisterung die Verpackung feiern und dabei vergessen, was eigentlich drinsteckt.

Und während ich darüber nachdenke, fällt mir auf, dass ich am Samstag etwas erlebt habe, das genau in die andere Richtung geht.

Ich war beim ökumenischen Gottesdienst zum Reformationstag.

Und ich merke von Jahr zu Jahr mehr, wie sich dieses Fest verändert. Oder vielleicht verändert sich auch einfach mein Blick darauf.

Ein Tag, der über Jahrhunderte vor allem an die Trennung der Kirchen erinnerte, wird für mich immer mehr zu einem Fest der Gemeinsamkeit.

Wir feiern miteinander Gottesdienst. Wir beten zusammen. Wir hören auf dasselbe Wort Gottes. Und wir merken, wie viel uns eigentlich verbindet.

Natürlich sind die Unterschiede nicht einfach verschwunden. Aber sie stehen nicht mehr so sehr im Mittelpunkt.

Und das finde ich richtig schön.

Vielleicht ist das ja auch eine Form von Reformation. Nicht nur auf das zu schauen, was uns trennt, sondern immer wieder neu zu entdecken, was uns verbindet.

Und damit bin ich gedanklich wieder bei Allerheiligen.

Denn auch dieses Fest hat eigentlich einen wunderbar weiten Blick. Wir denken heute nicht nur an die großen Heiligen, deren Namen wir kennen und die in unseren Kirchen auf Bildern und Figuren zu sehen sind.

Wir denken auch an all die Menschen, die vor uns gelebt haben, die geglaubt, gehofft, geliebt und auf ihre ganz eigene Weise etwas von Gottes Liebe sichtbar gemacht haben.

Menschen, die vielleicht nie in einem Heiligenkalender stehen werden. Die aber für andere Menschen unglaublich wichtig waren.

Im Evangelium hören wir heute die Seligpreisungen. Jesus spricht Menschen selig, die barmherzig sind, die Frieden stiften, die ein reines Herz haben.

Da geht es nicht um perfekte Menschen. Sondern um Menschen, die versuchen, die Welt ein kleines bisschen heller zu machen.

Und vielleicht ist das ja der Gedanke, den ich aus diesem Wochenende mitnehmen möchte.

Dass wir nicht vergessen, was hinter unseren Festen steckt. Aber auch offen dafür bleiben, dass sich Traditionen verändern und neue Wege entstehen.

Beim Reformationstag erlebe ich gerade, wie aus einer Erinnerung an Trennung immer mehr gelebte Gemeinschaft wird.

Und bei Halloween? Vielleicht muss ich gar nicht alles mögen, was andere begeistert. Vielleicht reicht es ja schon, wenn ich mich darüber freuen kann, dass andere ihre Freude daran haben.

Und wer weiß, vielleicht stehe ich im nächsten Jahr selbst mit einem ausgehöhlten Kürbis vor der Tür.

Wobei … so weit würde ich jetzt noch nicht gehen. 🙂

In diesem Sinne wünsche ich Euch und Ihnen ein schönes Allerheiligenfest, einen gesegneten Sonntag und uns allen die Offenheit, auch im Ungewohnten immer wieder etwas Gutes zu entdecken.

Herzlichst Euer Daniel!