Herzlich willkommen in der Kirchengemeinde St. Joseph. Diese Seite bietet einen Überblick über unsere Gemeinde vor Ort. Sie finden hier die Kontaktdaten des Pfarrbüros, Informationen zu Gruppen und Kreisen sowie zu den Gremien, die das Gemeindeleben mitgestalten. Darüber hinaus stellen wir unsere Kirche, ihre Ausstattung und Hintergründe zur Geschichte und Entwicklung der Gemeinde vor. Wer weiterstöbern möchte, findet auf dieser Website insgesamt noch viele weitere Informationen rund um Gottesdienste, Veranstaltungen und das Leben in unserer Pfarreiengemeinschaft.

Pfarrbüro

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Lust dabei zu sein?

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Nach der Reformation gab es in Ostfriesland lange Zeit keine katholischen Kirchengemeinden mehr. St. Joseph Neustadtgödens ist eine besondere Ausnahme: Als erste katholische Kirche Ostfrieslands nach der Reformation wurde sie 1715 erbaut. Ermöglicht wurde dies durch die Familie von Frydag auf Schloss Gödens, die 1639 durch eine katholische Heirat die Religionsfreiheit in ihrem Herrschaftsgebiet einführte. Das schlichte Backsteingebäude beherbergte ursprünglich nicht nur den Kirchsaal, sondern auch die Wohnung des Geistlichen und Schulräume. Über Jahrhunderte blieb die Gemeinde sehr klein – von 30 Personen im Jahr 1662 bis zu 95 Mitgliedern 1862. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg wuchs sie durch den Zuzug schlesischer Vertriebener deutlich an.

Heute gehören etwa 660 Katholiken zur Pfarrei St. Joseph, die sich über ein großes Gebiet mit 13 Ortschaften erstreckt und seit 2005 zur Pfarreiengemeinschaft NeuAuWieWitt gehört.

Ab den 1520er-Jahren setzte sich in Ostfriesland die Reformation durch, zunächst in lutherischer, später zunehmend in reformierter Prägung. Alle historischen Kirchen wurden protestantisch, und die Ausübung des katholischen Gottesdienstes war nur noch im privaten Rahmen möglich.

Die Herrlichkeit Gödens gelangte 1574 durch Heirat in den Besitz eines Zweigs der westfälischen Adelsfamilie von Frydag. Franz Ico von Frydag heiratete 1639 die katholische Freifrau Margarethe Elisabeth von Westerholt. Noch im selben Jahr wurde im Schloss Gödens eine katholische Hauskapelle eingerichtet, und 1692 entstand eine Missionsstation in Neustadtgödens.

Der seit 1544 durch Eindeichung und Neulandgewinnung entstandene Ort unterstand dem Pfarrzwang der reformierten Kirche in Dykhausen. Dennoch durften für die zugewanderten Arbeitskräfte auch eine mennonitische und eine lutherische Kirche sowie eine Synagoge errichtet werden – eine außergewöhnliche Situation im Zeitalter der landesherrlichen Religionshoheit.

Alle neun Kinder aus der Ehe von Frydag wurden katholisch getauft. Der älteste Sohn Haro Burchard übernahm das Schloss und führte für sein Herrschaftsgebiet die Religionsfreiheit ein, was zu einem wirtschaftlichen Aufschwung in Gödens und Neustadtgödens führte.

Durch eine Stiftung der Rentmeister-Witwe Johanna Sophia Breneisen geb. Hoyerbeck und gefördert von Burchard Wilhelm von Frydag wurde 1715 das schlichte Kirchengebäude errichtet – die erste katholische Kirche Ostfrieslands nach der Reformation. Das Grundstück war ein Geschenk der Ehefrau des Schlossverwalters von Gödens. Das Gebäude beherbergte zugleich die Wohnung für den Geistlichen und Schulräume. Die Finanzierung wurde durch überregionale Spendenaufrufe ermöglicht.

Die Seelsorger – anfangs Jesuiten, ab den 1710er-Jahren Franziskaner der Sächsischen Franziskanerprovinz (Saxonia) – betreuten bis zum Zweiten Weltkrieg ein großes Gebiet im Umkreis von zehn Gehstunden im Osten Ostfrieslands und im Norden Oldenburgs, einschließlich Esens, Wittmund und Wiesmoor. Einer der Franziskaner wohnte bis zum Aussterben der katholischen Familie von Frydag 1748 auf Schloss Gödens, der andere in Neustadtgödens bei der Kirche.

Die katholische Gemeinde blieb über die Jahrhunderte sehr klein: 1662 bestand sie aus 30 Personen, 1768 umfasste sie rund 600 Gläubige, 1862 waren es nur noch 95 Mitglieder. Der letzte Franziskaner war von 1808 bis zu seinem Tod 1822 Theodorich Wiedau. Ihm folgten Weltpriester des Bistums Osnabrück. 1938 war Hermann Lange, einer der Lübecker Märtyrer, vertretungsweise als Seelsorger an St. Joseph tätig.

Erst 1946 wuchs die Gemeinde vorübergehend stark durch den Zuzug vieler Vertriebener aus Schlesien an. Die kleine Kirche reichte nicht mehr aus, sodass viele Gottesdienste in der evangelischen Kirche gefeiert wurden. Infolge des Zustroms katholischer Heimatvertriebener wurden neue Kirchen in der Region gebaut und das Pfarreigebiet verkleinert.

Bis 1983 hatte St. Joseph eigene Pfarrer. Seit 1983 gibt es für die derzeit etwa 660 zu St. Joseph gehörenden Katholiken keinen eigenen Pfarrer mehr. Heute bilden Aurich, Wittmund, Wiesmoor und Neustadtgödens die Pfarreiengemeinschaft NeuAuWieWitt, die von einem leitenden Pfarrer aus Aurich betreut wird.

Die nordsüdlich ausgerichtete Backsteinkirche ist äußerlich nur durch den acht Meter hohen, freistehenden Glockenturm als Gotteshaus zu erkennen. Unscheinbar als schlichter Backsteinbau fügt sie sich in die Bebauung des alten Ortes ein. Das nördliche Drittel des langgestreckten Gebäudes mit rechteckigen Fenstern war ursprünglich Wohn- und Schulzwecken vorbehalten, während der südliche Teil mit Rundbogenfenstern und Rundbogentüren den Kirchsaal enthält, den eine flache Balkendecke überspannt.

Das Kircheninnere wurde mehrfach umgestaltet und modernisiert, wobei die altehrwürdige Atmosphäre erhalten blieb. An den Wänden befinden sich die 14 Kreuzwegstationen, plastische Nachbildungen aus der Kunst der Nazarener nach Professor J. V. Führich.

Der szenische Ablauf wird bei einer Nische unterbrochen, in der eine moderne Holzplastik mit dem Titel „Golgatha“ vom Künstler Jo Klose hängt. In Bohlenscheiben aus einer Sielwand ist umrisshaft die Figur des Gekreuzigten eingefräst.

Über dem Orgelabsatz sind zwei alte Ölgemälde aus dem 17. Jahrhundert angebracht, die die Ordensgründer St. Franziskus und St. Klara von Assisi darstellen. Diese Bilder stammen aus dem Franziskanerkloster in Vechta, das die Seelsorge in Neustadtgödens versah und 1812 durch französische Behörden aufgelöst wurde. 1997 schenkte der gebürtige Vechtaer Pfarrer August Vornhusen diese Gemälde aus seinem Familienbesitz der Gemeinde.

Der moderne blockförmige Altar aus gelblichem Marmor zeigt auf schmalen Bändern von gebrannten Emailplättchen die Geschichte des ägyptischen Joseph, der als israelitischer Kanzler durch Getreidebevorratung für die Ernährung des Volkes sorgte. Dieser biblische Joseph wird zum Pflegevater Joseph aus der Heiligen Familie übertragen, womit auf den Kirchenpatron hingewiesen wird.

Im Altar ist die Reliquie des heiligen Märtyrers Candidus eingelassen, der zur thebäischen Legion gehörte und 304 in der heutigen Schweiz den Märtyrertod starb. Gemeindemitglieder haben von dort kleine Steine besorgt, die in den Unterbau des Altares eingelegt sind.

Hinter dem Altar steht an der Wand ein modern gestalteter Tabernakel. Links und rechts sind auf Konsolen Holzfiguren von Maria und Joseph angebracht, die um 1930 entstanden. Im Altarraum befindet sich auch das bronzene Lesepult (Ambo).

Die katholische Kirchengemeinde St. Joseph umfasst heute die Ortschaften Neustadtgödens, Gödens, Dykhausen, Altgödens, Horsten, Etzel, Marx, Bentstreek, Friedeburg, Hesel, Reepsholt, Abickhafe und Dose.