Liebe Leserinnen und Leser,
herzliche Grüße zum kommenden Sonntag. In diesen Tagen spüre ich, dass sich Deutschland in zwei Lager teilt. Und wir in Ostfriesland sind das stolze Hauptquartier der „Karnevalsflüchtlinge“.
Ostfriesland gilt nicht nur als Land des Tees, des Windes und des Wassers, sondern auch als Region der Karnevalsflüchtlinge. Während andernorts Konfetti rieselt, rieselt hier höchstens der Schnee. Und das ist für viele ein ausgesprochen guter Grund, sich wohlzufühlen. Beides hat natürlich seine Reize und wie überall, gibt auch hier nicht nur schwarz oder weiß.
Wer Karneval liebt, der tut sicherlich gut daran, es auch ausgiebig zu feiern. Aber es gibt auch positive Argumente für die ruhigere Variante. Keine Verkleidungsfrage am Morgen („Bin ich heute Pirat oder Pinguin?“), kein stundenlanges Schminken, kein „Helau“ mit heiserer Stimme. Stattdessen: klare Luft, klare Gedanken, klare Worte. Vielleicht sogar ein klarer Blick füreinander.
Damit sind wir mitten im Sonntagsevangelium, im Evangelium nach Matthäus (Mt 5,17–37). Jesus spricht dort von der Tiefe des Gesetzes und von der Echtheit unseres Handelns. „Euer Ja sei ein Ja, euer Nein ein Nein.“ Wie befreiend ist das!? Keine Masken, keine doppelten Böden, keine frommen Floskeln. Einfach wahrhaftig sein.
Vielleicht passt das erstaunlich gut zu einer karnevalsfreien Woche. Wir dürfen uns fragen: Wo verstecke ich mich hinter Rollen? Wo sage ich „Vielleicht“, obwohl ein ehrliches „Ja“ dran wäre? Oder ein mutiges „Nein“? Jesus lädt uns ein, das Leben nicht oberflächlich zu feiern, sondern es von innen her ernst – und gerade so froh – zu nehmen.
Und wer weiß: Ein Spaziergang im ostfriesischen Wind kann mehr ordnen als mancher Trommelwirbel. Gott begegnet uns nicht nur im Lärm, sondern oft im Leisen.
In diesem Sinne wünsche ich Ihnen einen gesegneten Sonntag, eine Woche mit klaren Worten, leichtem Herzen und einem Karnevalsfest, wie es Ihnen gut tut.
Markus